Historisches Honeggu

Die ersten Siedler kamen im 11. und 12. Jahrhundert ins Saastal. Wegen der topographischen Lage wurde das Leben über viele Jahrhunderte durch Abgeschiedenheit geprägt. Mit drei Häusern und acht Gebäuden war der Weiler Honeggen der höchstgelegene. Das heutige Castellino del Sole wurde 1748 erbaut. In den beiden Wohnstuben befinden sich zwei Exemplare von typischen Giltsteinofen, erstellt 1758 und 1789, mit Familienwappen der ursprünglichen Erbauer. Das in Saas-Fee älteste und noch bewohnte Gebäude wurde 1998 komplett renoviert und mit modernstem Komfort ausgerüstet, bei gleichzeitiger Bewahrung des originalen Walliserstils. Unter dem Dachgibel erkennt man das typische ‹Seelenloch›, welches den Ein- und Austritt der Seelen bei Geburt und Tod ermöglicht.

Bis gegen 1950 waren die Bewohner von Saas-Fee landwirtschaftliche Selbstversorger. Vier bis fünf Familien, die zusätzlich bei der Hohnegg eine Wohnung und etwas Grundbesitz von Wiesund Ackerland besassen, verliessen anfangs September mit ihrem Vieh den Hautwohnungssitz in Saas-Fee und zogen hinauf zur Hohnegg in ihre Zweitwohnung. Dadurch bestand die Möglichkeit, dass hier oben das vom Sommer geerntete Heu aufgefüttert werden konnte. Einzelne Familien blieben bis anfangs Dezember, andere bis in den Februar hinein. Die Zeit des Aufenthaltes richtete sich je nach der Grösse des Wieslandbesitzes.

Während der Wohnzeit auf Hohnegg fehlte es den bäuerlichen Selbstversorgerfamilien keineswegs an Arbeit. Im Oktober wurden die Kartoffeln und das Getreide geerntet. Nach altem Brauch fand am Sankt Gallustag (16. Oktober) die Hausschlachtungen der Schafe statt. Das Fleisch der Schafe und die Hauswürste, welche jede Familie nach eigenem Rezept anfertigte, wurde in den Speichern zur Lufttrocknung aufgehängt. Die Speicher wurden auf stelzförmigen Pfosten, die kreisrunde Gneisplatten tragen, aufgebaut, um das Eindringen der Mäuse zu verhindern.

Das erforderliche Brennholz zur Erwärmung der Giltsteinofen und zur Zubereitung der Mahlzeiten auf der ‹Trächu› (offene Feuerstelle in der Küche) wurde von den Männern gesägt und gespalten. Die Frauen besorgten nebst dem Haushalt auch noch den Stall. Das Füttern und das Melken des Viehs war im Saastal eine Arbeit, die von den Frauen mit grösster Sorgfalt ausgeführt wurden.

Abends nach dem Nachtessen betete jede Familie gemeinsam den Rosenkranz. Als Beleuchtung diente das ‹Lusi›, eine Petrollampe, die man auf den Tisch stellte. Saas-Fee erhielt die elektrische Stromversorgung erst 1923 und die Hohnegg noch einige Jahre später. Nach dem Rosenkranzgebet benützten die Frauen vielfach das Spinnrad zur Herstellung der Strickwolle, die für solide und warme Pullovers und Socken gute Dienste leisteten. An den Sonntagen begaben sich vormittags die Bewohner der Hohnegg alle hinunter ins Dorf zum Gottesdienst, was selbst beim Schneegestöber nicht ausfiel.

Die Hohnegg wurde erst ab 1923 anfänglich durch Johannes Bumann ganzjährlich bewohnt. Das Hotel-Restaurant Hohnegg wurde in den 60er Jahren durch Otto Bumann erbaut. Seit 1980 ist die Familie Beatrice Bumann für den kontinuierlichen Aus- und Weiterbau verantwortlich.

Nach einem Text von Werner Imseng. © Hohnegg Alpine Resort, Historisches Honeggu